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| Dtg-Thing 2006 |
| Date: 22/07/2006 01:56 |
By: Mithrandir |
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Waldläufer  | Beiträge: 70 |  | |
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Am letzten Wochenende wurde das Schloss Diez zu einem Ort des Pilgertums von Tolkienfans. Die mittelalterliche Burg aus dem 12. Jahrhundert wurde zum Schauplatz des jährlichen Treffens von Mitgliedern der Deutschen Tolkien Gesellschaft (DTG): dem Tolkien-Thing. Drei Tage lang wehten DTG-Banner über dem Schloss, und die Gäste beschäftigten sich mit dem reichhaltigen Programm rund um Professor J.R.R. Tolkien.
Grafenschloss Diez Das Programm war wahrhaftig reichhaltig, und für die vielen Gäste gab es eine Fülle von Beschäftigungsmöglichkeit. Angefangen mit traditionellen Vorträgen der akademischeren Art, bis hin zum Konzert der Flötentöne, über die Wanderungen in der Altstadt oder einem Stickerei-Workshop – es gab schlichtweg keine Zeit, sich zu langweilen. Die ganze Nacht über herrschte Partystimmung im Innenhof, und ab 8 Uhr morgens gab es Frühstück – von daher war nicht daran zu denken, die kostbare Zeit mit Schlafen zu verbringen… Alan Lee beim Vortrag Wieder einmal war das Thing ein internationales Event: Zum Einen gab es Gäste von der Griechischen Tolkiengesellschaft (die übers ganze Wochenende den Vorsitzenden der DTG, Marcel Bülles, mit ihrem selbstgebrannten Ouzo abgefüllt hatten). Zweitens, und viel prominenter – kam Alan Lee zum Thing, der berühmte Tolkien-Illustrator und einer der beiden künstlerischen Berater des Films von Peter Jackson. Eigentlich sollte noch Brian Sibley, Autor vieler Bücher über Jacksons Filme, kommen, musste aber wegen Krankheit absagen.
Alan Lee ist ein erstaunlicher Mensch. Am Freitag der Ankunft saß er fast alleine an seinem Tisch im Innenhof, da alle anderen Ring*Con-erprobten Besucher schlichtweg Angst hatten, ihn anzusprechen. Und wie würde das auch aussehen, wenn der berühmte Koryphäe von einem dahergelaufenden Fan von seinen Gedanken losgerissen würde? Aber es stellte sich raus, dass Alan Lee sehr umgänglich und nett im Gespräch ist, und bereits am frühen Abend lächelte er sanftmütig, als er die ersten Fan-Fragen beantworteten durfte. Es war anzumerken, dass Lee die kuschelige Atmosphäre des Tolkien-Get-together gefiel: Er antwortete gerne auf Fragen, ließ sich fotografieren, fotografierte selbst, und am letzen Abend, auf der Bank sitzend, zeichnete er in 15 Minuten einen Ent für das Andenkbuch der DTG. Sein Vortrag (eine Präsentation seiner Werke, Entwürfe und anderer Arbeiten) sowie eine lange Q&A-Session waren natürlich der Highlights des Programms und sorgten für einen gefüllten Vortragsraum. Tanz und Musik bei den Flötentönen Ansonsten waren die Vorträge sehr vielfältig. Die angereisten Griechen verdeutlichten den Einfluss der eigenen Mythologie auf Tolkiens Werke, und hielten zwei Vorträge zu diesem Thema (sie zeigten außerdem einen Films, in dem sie Túrin, Sohn Húrins gegen Ödipus, Sohn des Laios antreten ließen, um die Parallelen zwischen den beiden aufzuzeigen). Marcel Bülles, der an diesem Wochenende seinen Posten als 1. Vorsitzender der DTG wiedererlangt hatte, erzählte über seine Forschung von Tolkiens Quellen – welche Bücher Professor Tolkien während seines Studiums wann ausgeliehen hatte, und -- das Interessanteste -- was aus ihnen wurde. Frank Weinreich trug den vierten Teil seine nicht ganz ernst gemeinten "Politisch korrekten Herrn der Ringe" vor und referierte zum Thema "Mensch und Mythos" (Alle Vorträge von Frank Weinreich gibts übrigens auf seiner Website zum Download ). Der Autor dieser Zeilen hatte ebenfalls einen kleinen Vortrag abgehalten – über die Werke der russischen Vereinigung "Tolkien Texts Translation" mit einer Vorführung ihrer animierter Filme nach Tolkiens Werken "Mr Bliss", "Oliphaunt", "The Cat" und "Fastitocalon". Generell gab es viel von Mr. Bliss an diesem Wochenende zu sehen (auf Deutsch: "Herr Glück"): er war zum Thema eines weiteren Vortrags von Christian Kleinen geworden, der eine Forschung über die Wahrnehmung dieses Buchs in Kindergärten betrieben hat. Fantasy-Autorin Evelyne Okonnek Außerdem anwesend war die Fantasy-Autorin Evelyne Okonnek, die ihren preisgekrönten Roman DIE TOCHTER DER SCHLANGE signierte und übrigens in der grünen Hölle seit einigen Jahren unter dem User-Namen Estelle ihr Unwesen treibt. Und auch Tolkien-Künstlerin Anke Eißmann signierte ihre Drucke. Außerdem gab es wieder eine Vielzahl an Workshops: Stickerei von Ornamenten, Tanzen, Gesang… besonders beliebt aber war wieder einmal der Met-Brau-Workshop.
Abends tauchten Dutzende von Kerzen den Innenhof der Burg ein ein romantisches Licht, übrigens die einzige Beleuchtung, denn da das Schloss gerade neu renoviert worden war, war die Beleuchtung noch nicht fertig. Aber das störte natürlich nicht, ganz im Gegenteil. Die Einen saßen an Tischen, und philosophierten über das harte Leben eines Tolkienfans, die Anderen feierten mit Met, Bier oder dem bereits erwähnten Ouzo; Dritte klimperten auf der Gitarre im Kreise der Verschwörer. Es war auch sehr angenehm, die Spitze der DTG, dem Orga-Stress zum Trotz, immer wieder quatschen und trinken zu sehen.
Am Sonntag nach der Abschiedszeremonie und einem kleinen Dankeschön brachen die meisten auf und versprachen sich gegenseitig, sich in einem Jahr an gleicher Stelle wiederzutreffen.
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