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J.R.R. Tolkien's Biographie
 

J.R.R. Tolkien (1916)
J.R.R. Tolkien (1916)
J.R.R. Tolkien wurde am 3. Januar 1892 in Bloemfontein, Orange Free State (Südafrika) geboren, wo sein Vater Arthur, ein Bankangestellter aus Birmingham, kurz zuvor eine Stelle angetreten hatte. Nachdem er seine ersten drei Lebensjahre in Afrika verbracht hatte, wurde er von seiner Mutter Mable aufgrund seiner schwachen Gesundheit im April 1895 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Hilary nach England mitgenommen. Sein Vater wollte eigentlich bald nachkommen, er starb dann aber am 15. Februar 1896 überraschend an rheumatischem Fieber, so daß die Mutter ihren Sohn allein großziehen mußte. Am 14. November 1904 verstarb dann auch Tolkiens Mutter, Pater Francis Xavier Morgan kümmerte sich in den folgenden Jahren um die beiden Kinder. Seine Kindheit und früheste Jugend erlebte Tolkien in einem typischen englischen Dorf, in Sarehole nahe Birmingham.

Diese ländliche Umgebung prägte auch Tolkiens spätere Romane und Bilder. Er besuchte die King Edward's School, eine katholische Höhere Schule, da seine Familie zum Katholizismus übergetreten war. Tolkiens Interesse wandte sich schnell der Literatur und Sprache zu. Er zeigte großes linguistisches Talent und lernte später unter anderem Latein, Griechisch, Walisisch, Alt-Walisisch, Finnisch und Alt-Englisch.

Nach der Schule studierte Tolkien ein Jahr lang im Exeter College in Oxford, seine akademische Laufbahn wurde dann vom Ersten Weltkrieg unterbrochen. Bevor er im Juni 1916 Frankreich an die Front ging heiratete Tolkien am 22. März 1916 Edith Bratt. Im Krieg verlor Tolkien zwei seiner drei engsten Freunde, er selbst wurde ins Lazarett eingeliefert.

Nach seiner Genesung arbeitete Tolkien als Professor für Angel-Sächsisch zwei Jahre lang am berühmten Oxford English Dictionary mit und ging dann als Dozent an die Universität von Leeds. Mit seinen sprachwissenschaftlichen Arbeiten machte er sich rasch einen Namen, wurde zum Professor ernannt und an die Universität von Oxford berufen. Dort fand er seine eigentliche Heimat und schloß sich den »Inklings«, einem Kreis aus schreibenden Professoren und anderen Mitgliedern der akademischen Gemeinschaft, an. Die »Inklings« waren von C. S. Lewis, selbst ein Schreiber von Fantasy und Science-Fiction, gegründet worden. Man las sich in diesem Kreis aus den eigenen Werken vor, und auch Tolkien begann dort aus seinem »Herrn der Ringe« vorzutragen.

Anfang der dreißiger Jahre hatte Tolkien begonnen, eine Geschichte für seine vier Kinder zu schreiben, »Der kleine Hobbit« fand zu Tolkiens Überraschung bald einen englischen Verlag, der die Geschichte als Kinderbuch herausbrachte. Als Hintergrund für diese Geschichte diente seine Fantasy-Welt Mittelerdes, deren Sprachen, Legenden und Überlieferungen er als Hobby entwickelt hatte. »Der kleine Hobbit« war als Kinderbuch so erfolgreich, daß der Verleger auf eine Fortsetzung drängte. Diese Fortsetzung wuchs zu dem 1200 Seiten langen Fantasy-Epos »Der Herr der Ringe« heran, das Tolkien in den Jahren 1936 bis 1949 schrieb. Tolkien entwickelte seine Fantasy-Welt Mittelerde dabei immer weiter, sie war ihm fast wichtiger als der Roman, der praktisch als Nebenprodukt entstand.

Vom Erfolg seines Werks war Tolkien selbst überrascht, er stand der um sein Buch entstehenden Subkultur hilflos und fast erschrocken gegenüber. Er wehrte sich zeitlebens gegen irgendwelche allegorischen oder sogar politischen Bedeutungen seiner Bücher.

Tolkien selbst dazu:

"Seit der Herr der Ringe im Jahr 1954 endlich erschien, haben viele Leute das Buch gelesen; und ich möchte hier gern einiges Sagen zu den Ansichten oder Mutmaßungen über die Motive und Bedeutungen der Erzählung, die mir zugegangen sind oder über die ich gelesen habe. Das Hauptmotiv war der Wunsch eines Märchenerzählers, es einmal mit einer wirklich langen Darstellung zu versuchen, die die Aufmerksamkeit der Leser fesselt, sie unterhält, erfreut und manchmal vielleicht erregt oder tief bewegt. Als Richtschnur hatte ich nur mein eigenes Gefühl für das, was ansprechend oder packend ist, und für viele erwies sich diese Richtschnur unvermeidbar oft als falsch. Manche, die das Buch gelesen oder jedenfalls besprochen haben, fanden es langweilig, absurd oder belanglos; und ich habe keinen Grund mich zu beklagen, denn ich habe ähnliche Ansischten über ihre Arbeiten oder über die Art zu schreiben, die sie offenbar vorziehen. Aber selbst denjenigen, denen meine Darstellung Vergnügen bereitet hat, hat vieles nicht gefallen. Vielleicht ist es in einer langen Erzählung nicht möglich, jedermann an allen Stellen zu gefallen oder auch jedermann an denselben Stellen zu mißfallen; denn aus den mir zugegangenen Briefen ersehe ich, daß gerade die Abschnitte oder Kapitel, die den einen ein Ärgernis sind, von den anderen besonders gelobt werden. Der kritischste Leser von allen, ich selbst, findet jetzt viele kleinere und größere Mängel; da er aber zum Glück nicht verpflichtet ist, das Buch zu besprechen, noch es ein zweites Mal zu schreiben, wird er sie mit Stillschweigen übergehen, abgesehen von dem einem Mangel, den andere festgestellt haben: das Buch ist zu kurz.

Was irgendwelche tiefere Bedeutung oder »Botschaft« betrifft, so gibt es nach der Absicht des Verfassers keine. Das Buch ist weder allegorisch noch aktuell. Als die Darstellung wuchs, schlug sie Wurzeln (in der Vergangenheit) und verzweigte sich unerwartet, aber ihr Hauptthema lag von Anfang an fest, weil der Ring nun einmal das Bindeglied zwischen ihr und dem Hobbit war. Das entscheidende Kapitel, »Der Schatten der Vergangenheit«, ist einer der ältesten Teile der Erzählung. Es war schon lange geschrieben, ehe die Vorzeichen des Jahres 1939 sich zur Drohung eines unentrinnbaren Verhängnisses verdichtet hatten, und von diesem Punkt an hätte sich die Darstellung im wesentlichen in den gleichen Grundzügen weiterentwickelt, auch wenn das Verhängnis abgewendet worden wäre. Ihr Ursprung sind Dinge, die mir schon lange im Sinn waren, oder in einigen Fällen schon niedergeschrieben waren, und wenig oder nichts wurde durch den Krieg, der 1939 begann, oder durch seine Folgen verändert."

Grabstätte J.R.R. Tolkiens
Grabstätte J.R.R. Tolkiens
Im Ruhestand zog Tolkien zusammen mit seiner Frau nach Bournemouth, nach ihrem Tod am 29. November 1971 ging er aber wieder zurück nach Oxford. In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Tolkien der Darstellung der gesamten Geschichte Mittelerdes, aus der die im »Herrn der Ringe« vorgestellte nur ein kleiner Auschnitt ist. Er starb am 2. September 1973 im Alter von 81 Jahren bevor er dieses Werk vollenden konnte. Teile seiner Aufzeichnungen wurden aber später von seinem Sohn Christopher Tolkien herausgegeben.



Verwendete Quellen:

»Das große Buch der Fantasy«, herausgegeben von Michael Görden - Bastei-Lübbe Verlag
Vorwort zu »Der Herr der Ringe«
Tolkien - Kalender '98 - Harper CollinsPublishers
Palantir »Die Tolkien Seite«

 
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